Digitalisierung im Krankenhaus als interdisziplinäres Projekt

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie ist Teil des klinischen Alltags. Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) wurden im Klinikum Fürstenfeldbruck in den vergangenen zwei Jahren insgesamt zehn geförderte Digitalisierungsprojekte auf den Weg gebracht.

Besonders sichtbar nach außen ist das Patientenportal, das es den Patientinnen und Patienten nun ermöglicht, über die Website in den Fachbereichen Gastroenterologie, Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie und Radiologie Termine online zu buchen – unabhängig von der Erreichbarkeit der Sekretariate. Mit dem weiteren Ausbau des Patientenportals werden noch in diesem Jahr zusätzliche Fachabteilungen integriert, um den Patientinnen und Patienten die digitale Terminvereinbarung in einem noch breiteren Leistungsspektrum zu ermöglichen.

Mit der Einführung des digitalen Medikationsmanagements und der digitalen Patientenakte wurden zwei weitere große Schritte hin zu gemeinsamen Zielen realisiert: mehr Patientensicherheit, bessere Verfügbarkeit von Informationen und effizientere Arbeitsabläufe.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Für alle Beteiligten war von Anfang an klar, dass Projekte dieser Größenordnung nur in einem gemeinsamen Kraftakt zwischen IT-Abteilung, Ärzteschaft und Pflege gelingen können.

„Es war eine sehr intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit“, berichtet Moritz Maier, der die IT-Abteilung des Hauses leitet. Besonders hebt er die Unterstützung der sogenannten Key User hervor: „Ein großer Dank gilt den Ärzten und Pflegekräften, die kontinuierlich in der Arbeitsgruppe vertreten waren und als Multiplikatoren anschließend ihre Kolleginnen und Kollegen geschult haben. Das hat hervorragend geklappt.“

Die technische Infrastruktur wurde für die digitalen Anwendungen umfassend erweitert: Mobile Ärzte-/Pflegewägen mit PCs auf jeder Station ermöglichen heute den direkten Zugriff auf die digitale Patientenkurve und die gesamte Medikation am Behandlungsort. Gleichzeitig wurden hohe Sicherheitsstandards umgesetzt – inklusive Konzepte für Stromausfälle und mehrfach gesicherte Serversysteme.

Schrittweise Einführung auf den Stationen

Die Umstellung auf die digitale Dokumentation erfolgte ab März bewusst stationsweise über mehrere Wochen, um nach und nach Erfahrungen direkt im Arbeitsalltag zu sammeln. Großer Wert wurde auf die Qualifizierung der Mitarbeitenden gelegt. Allein für die Pflege fanden rund 30 Schulungen mit jeweils vier Stunden Dauer statt.

„Am Anfang fühlten sich viele Kolleginnen und Kollegen allein von der Menge der Informationen etwas erschlagen“, erinnert sich Axel Lehmann, Pflegerischer Stationsleiter der gastroenterologisch-onkologischen Station 32 und einer der sechs Key User aus der Pflege. „Doch nach etwa zwei Monaten war das System gut eingespielt. Unterstützt wurde der Prozess durch Sammlungen von häufigen Fragen und Antworten sowie einem engen Austausch zwischen den Anwendern.“

Auch aus ärztlicher Sicht war die Einführung eine große Aufgabe, die über Monate Kapazitäten zusätzlich zum Tagesgeschäft erforderte. Doch der regelmäßige Austausch hat sich gelohnt: „Am Anfang war die Umstellung schon schwer, weil die digitale Affinität im Kollegenkreis unterschiedlich ausgeprägt ist“, berichtet Johannes Liebl aus der Unfallchirurgie, der neben PD Dr. Florian Weis (Anästhesie & Intensivmedizin) und PD Dr. Georg Peschel (Gastroenterologie) die Ärzteschaft vertrat. „Doch wenn das System läuft, nimmt es einem viel Arbeit ab.“

Mehr Transparenz, mehr Sicherheit

Ein wesentlicher Vorteil der digitalen Patientenkurve bzw. Medikation liegt in der höheren Sicherheit, denn etwa Medikationsanordnungen sind klar nachvollziehbar und kritische Arbeitsschritte werden durch das System zusätzlich abgesichert:

„Die digitale Dokumentation ist deutlich weniger fehleranfällig“, erklärt Johannes Liebl. „Früher wurden Kurven handschriftlich geführt und regelmäßig ergänzt. Dabei konnten Übertragungsfehler entstehen.“

Zudem stehen alle Informationen nun jederzeit aktuell zur Verfügung. „Pflege und Ärzteschaft können gleichzeitig und bei Bedarf von unterschiedlichen Einsatzorten aus auf die Inhalte zugreifen und parallel arbeiten, das erleichtert die Arbeit enorm“, ergänzt Axel Lehmann. Besonders bei Verlegungen zwischen Stationen oder während diagnostischer Untersuchungen profitieren die Mitarbeitenden von der besseren Verfügbarkeit der Informationen. Zudem bleibt die gesamte Historie eines Patienten abrufbar, inklusive früherer Aufenthalte. „Wenn alle Beschäftigten sorgfältig damit arbeiten, profitieren Mitarbeitende, Patienten und Angehörige gleichermaßen.“

Gemeinsam den Wandel gestalten

Die Einführung der digitalen Patientenkurve zeigt, dass Digitalisierung weit mehr ist als neue Software: Sie verändert Prozesse, schafft Transparenz und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen.

Nach den ersten Monaten in der Praxisanwendung fällt das Fazit positiv aus. Die Umstellung erforderte Zeit, Engagement und Lernbereitschaft. Gleichzeitig sind sich IT, Ärzte und Pflege einig, dass die gesteckten Ziele erreicht wurden.

im Bild: Johannes Liebl (OA Unfallchirurgie),  Thomas Ebeling (PDL), Nancy Lehmann (Stationsleitung), Elke Boch (Pflegedirektorin), Moritz Maier (IT-Leitung), Axel Lehmann (Stationsleitung), PD Dr. Florian Weis (CA Anästhesie & operative Intensivmedizin), Frauke Utzerath (stellv. Pflegedirektorin), PD Dr. Georg Peschel (OA Gastroenterologie), Isabel Costa (PDL), Sebastian Orecher (IT).