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Gastroenterologie Visavis Nr. 29 01-2013 |

Behandlungskonzept zeigt Erfolge bei Patienten mit Diabetes mellitus

Etwa jeder achte Patient, den wir in den internistischen und operativen Abteilungen des Klinikums Fürstenfeldbruck behandeln, leidet unter der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Dieser im Vergleich zur Normalbevölkerung recht hohe Anteil von 11 bis 13 Prozent an allen Patienten steigt mit jedem Jahr weiter an.

Ursache ist einerseits, dass Diabetiker in Folge ihrer Stoffwechselstörung häufiger Organkomplikationen erleiden. Andererseits tritt die Erkrankung vermehrt bei älteren Menschen auf. Oftmals wird auch bei akuten Erkrankungen erstmalig ein Diabetes festgestellt, der vorher gar nicht bekannt war. Gerade in dieser Anfangsphase, wenn der Diabetes noch keinerlei Beschwerden verursacht, erfordert es von den betroffenen Menschen eine besondere Bereitschaft zu Veränderungen im täglichen Leben, um spätere Herz-Kreislauferkrankungen oder andere Organkomplikationen zu vermeiden. Dabei ist die Mitarbeit des aufgeklärten und geschulten Patienten essentiell wichtig, um diese Störung zu meistern.
Große Patientenuntersuchungen haben ergeben, dass Diabetiker mit akuten internistischen Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Infektionen häufiger schwierige Verläufe und Komplikationen sowie längere Krankenhausaufenthalte riskieren, wenn der Blutzucker nicht optimal eingestellt ist. Vergleichbaren Gefahren sind Diabetiker auch bei Operationen ausgesetzt. Darüber hinaus führt jede Operation und jede akute internistische Erkrankung zu vermehrten Blutzuckerschwankungen, und zumeist zu überhöhten Blutzuckerwerten.
Insbesondere fieberhafte Erkrankungen führen zu Entgleisungen des diabetischen Stoffwechsels. Obgleich diese Zusammenhänge gut geschulten Diabetikern, die selbst Blutzucker messen und ihre Insulindosen festlegen, gut bekannt sind, offenbart sich in dieser Ausnahmesituation immer wieder eine Überforderung.

Spezialisiertes Team berät und begleitet Diabetes-Patienten

Groß angelegte Studien an Krankenhauspatienten mit Diabetes haben ergeben, dass die Komplikationsrate von Erkrankungen bei Diabetikern durch eine gute Blutzuckereinstellung durch spezialisierte Fachleute gesenkt wird. Am Klinikum Fürstenfeldbruck bietet daher ein spezialisiertes Team aus ärztlichen Diabetologen, Diabetesberaterin, Diabetesassistenten, Diätassistenten und Physiotherapeuten in dreiwöchigem Rhythmus spezielle Schulungen an. Diese richten sich an kleine Gruppen von stationären Patienten, die freiwillig an der Maßnahme teilnehmen. Diese Diabetes-Schulung wurde von der Deutschen Diabetesgesellschaft bereits im Jahr 2003 zertifiziert.
Darüber hinaus wurden stationär behandelte Diabetiker bei Problemen mit der Behandlung ihrer Stoffwechseleinstellung auf Anforderung des Stationsarztes einem spezialisierten Diabetologen vorgestellt. Daraufhin konnte ein individueller Behandlungsplan vorgeschlagen werden.
Die Erkenntnisse aus den oben genannten Studien führten vor einem Jahr zur Einführung neuer Standards in der Versorgung von Diabetikern in unserem Klinikum. Damit hat unser Diabetesteam ein Projekt auf den Weg gebracht, das bislang nur in wenigen Kliniken in Deutschland etabliert ist.
Das in unserem Klinikum praktizierte Verfahren sieht vor, dass der behandelnde Stationsarzt einen Diabetologen zur konsiliarischen Untersuchung und Beratung des Patienten einschließlich der Ausarbeitung eines Behandlungsplans anfordern kann. Mittlerweile stehen mit den Diabetologen Dr. Bernd Jacob und Dr. Florian Edrich zwei Oberärzte der Abteilung für Gastroenterologie, Diabetologie und Onkologie unseres Hauses für diese Aufgabe zur Verfügung.

Betroffene erhalten wertvolle Anleitung

In erster Linie zielt das Projekt darauf ab, alle Patienten mit Diabetes mellitus im Klinikum zu erfassen und gezielt zu beraten. Sobald über den Computer eine Diät für einen Diabetiker in der Küche bestellt wird, erhält unsere Diabetesassistentin Ellen Lange eine entsprechende Information. Diese besucht den Patienten noch am selben oder spätestens am darauf folgenden Tag auf Station. Dabei überprüft sie im Einklang mit den Leitlinien der Fachgesellschaft die Stoffwechseleinstellung des Patienten und bietet ihm Hilfe bei der Bewältigung seiner Stoffwechselstörung an.
Falls gravierende Probleme bei der Behandlung festgestellt werden, bespricht sie diese mit dem behandelnden  Stationsarzt, der wiederum konsiliarisch den Diabetologen anfordern kann.
Der Patient wird gebeten, einen standardisierten Fragebogen, bei Bedarf mit Unterstützung durch die Diabetesassistentin, auszufüllen. Diese Informationen fließen in die Ausarbeitung eines Behandlungsplanes durch den Diabetologen ein. Die Diabetesassistentin überwacht die Umsetzung der neuen Empfehlungen und schult den Patienten entsprechend. Dabei befähigt sie den Betroffenen beispielsweise zum Erlernen der Selbstmessung des Blutzuckers bei einer erforderlichen Umstellung auf Insulin oder sie übt mit ihm die richtige Spritztechnik.
Damit wird auch das Pflegepersonal auf der Station entlastet, das im Klinikalltag mitunter nicht über ausreichend Zeit für diese Tätigkeit verfügt.
Im Team gibt die Diabetesassistentin Rückmeldung an den Diabetologen, damit dieser den Behandlungsplan rechtzeitig vor Entlassung des Patienten noch anpassen kann. Bei Bedarf kann mit Hilfe unseres Sozialdienstes auch Unterstützung für die Bewältigung des Alltags zu Hause organisiert werden.
Darüber hinaus steht die Diabetesassistentin auch für die gezielte Beratung des Pflegepersonals in Fragen der Betreuung bestimmter Patienten zur Verfügung.
Unsere Erfahrung zeigt, dass die betroffenen Patienten durch den persönlichen Kontakt mit Diabetesassistentin oder Diabetologen eher bereit sind, das Angebot der umfassenden Schulung anzunehmen.
Mittlerweile können wir auf ein Jahr Erfahrung mit diesem Projekt zurückblicken und freuen uns über die positiven Rückmeldungen von betroffenen Patienten. Auch der ärztliche und der pflegerische Dienst erfahren dadurch eine Erleichterung ihrer Arbeit mit Diabetikern. Nicht zuletzt wird uns auch von ambulanten Pflegediensten berichtet, dass die Patienten besser vorbereitet für den Umgang mit ihrer Stoffwechselstörung aus der stationären Behandlung entlassen werden.


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