Aktuelle visavis Artikel des Fachbereichs Kardiologie und Pneumologie

Kardiologie Visavis Nr. 33 01-2015 |

Schnelle Hilfe für Schlaganfall-Patienten

Folgeschäden lassen sich oft verringern oder vermeiden

© k_rahn - Fotolia

Wie gewohnt ist Karl B. auch an diesem Morgen als Erster in der Küche und bereitet den Frühstückskaffee für sich und seine Frau Rosemarie zu. Plötzlich verspürt er, wie ganz unerwartet die Kraft in seinem rechten Bein schwindet. Er fühlt sich schwindelig, kann plötzlich nicht mehr stehen, stürzt seitwärts auf den Fliesenboden. Verzweifelt versucht er wieder aufzustehen. Keine Chance! Sein rechtes Bein und sein rechter Arm wollen ihm nicht mehr gehorchen.

Rosemarie hat im Badezimmer den Sturz ihres Ehemannes gehört und eilt nun besorgt herbei. Als sie Karl hilflos am Boden liegen sieht, kommt ihr sofort ein Verdacht: Erst vor einigen Tagen hatte sie einen Beitrag in einem Gesundheitsmagazin über die Anzeichen eines Schlaganfalls gelesen. Alarmiert von der halbseitigen Lähmung und dem schmerzverzerrten Gesicht des Gestürzten kombiniert sie blitzschnell: Das könnte ein Schlaganfall sein! „Jetzt zählt jede Minute“, weiß sie und greift ohne lange zu überlegen zum Telefonhörer. Gut, dass sie diese Situation zuvor schon gedanklich durchgespielt hatte! Sie wählt direkt die Nummer 112 und wird mit der Rettungsleitstelle verbunden. Nach ihrer kurzen Schilderung über den Vorfall macht sich sofort ein Notarzt auf den Weg. 

Minuten später klingelt es an der Haustüre von Karl und Rosemarie in Emmering. Nach einer kurzen Untersuchung bestätigt der Notarzt den Verdacht auf Schlaganfall. 

Nun geht alles blitzschnell. Entschlossen und routiniert ergreift der Notarzt erste Maßnahmen zur Stabilisierung. Um keine Zeit zu verlieren und die notwendige Therapie zügig einzuleiten, ist nun eine enge Koordination mit dem behandelnden Krankenhaus notwendig. 

Und genau auf diese Anforderung ist das Klinikum Fürstenfeldbruck seit November 2014 optimal vorbereitet: Dank der direkten Online-Verbindung zur Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck erscheint am zentralen Monitor der Notfallaufnahme der Klinik noch während der Anfahrt des Rettungswagens eine Meldung über das bevorstehende Eintreffen des Schlaganfall-Patienten.

Optimal vorbereitet auf den Notfalleinsatz 

Das ist das Signal für das Schlaganfallteam um Chefarzt ­­­Dr. Tilman Kolbe, unverzüglich alle Vorbereitungen für die Aufnahme des Patienten zu treffen. Die spezialisierten Fachärzte aus der Neurologie, Inneren Medizin und Gefäßmedizin stehen sofort bereit und leiten die ersten diagnostischen Maßnahmen ein. Dazu gehört insbesondere eine Computertomografie des Gehirns, um eine Hirnblutung als Ursache eines Schlaganfalles auszuschließen. Das Schlaganfallteam setzt in solchen Situationen alles daran, den Computertomographen freizuhalten, um jede Wartezeit für den Notfallpatienten zu vermeiden. 

Unabhängig davon, welche Therapieentscheidung aus der ­Erstdiagnostik resultiert, werden Schlaganfallpatienten wie Karl B. im Klinikum Fürstenfeldbruck stets auf der speziali­sierten Schlaganfalleinheit, der sogenannten Stroke Unit, behandelt. 

Bei Karl B. steht nach den ersten Untersuchungen fest, dass keine Blutung vorliegt. Weil er innerhalb so kurzer Zeit zur gezielten Behandlung in der Klinik eingetroffen ist, entscheidet das Schlaganfallteam, bei ihm eine Thrombolysetherapie durchzuführen. Bei diesem Verfahren, das üblicherweise nur bei kleinen, frischen Verschlüssen von Blutgefäßen wirksam ist, wird das als Thrombus bezeichnete Blutgerinnsel mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst. Je früher diese „Lyse“ einsetzt, umso besser sind die Erfolgschancen.

Intensive Überwachung auf der Stroke Unit

Nach einer kurzen Aufklärung durch die behandelnden Ärzte erhält Karl B. im Klinikum die entscheidende Infusion. Auf der Stroke Unit wird die Therapie pausenlos überwacht. Wissenschaftliche Studien legen es nahe, Patienten mit akutem Schlaganfall, auch wenn sie keine Thrombolysetherapie erhalten, intensiv zu überwachen. Das damit einher gehende schnelle Erkennen von Problemen beeinflusst die Therapieergebnisse in jedem Fall positiv.

Zwei Stunden später steht fest: Karl B. kann seinen rechten Arm und sein rechtes Bein wieder bewegen, wenngleich noch nicht mit voller Kraft. Erleichtert über dieses Ergebnis umarmt ihn seine Ehefrau. Das Ehepaar kann nun berechtigt Hoffnung schöpfen, dass ihr weiteres Leben nicht durch eine schwere Behinderung Karls beeinträchtigt sein wird. 

Wichtig ist in dieser Phase nun die Arbeit der Physiotherapeuten. Sie nehmen mit dem Patienten sehr früh ein gezieltes Training auf, um die noch beeinträchtigten Funktionen von Arm und Bein wiederzuerlangen und eine ausreichende Beweglichkeit sicherzustellen. Der Physiotherapieprozess verläuft parallel zur weiterführenden Diagnostik und Therapie des Herzens und der Gefäße und schließt auch die Rehabilitationsphase ein. 

Das Neurovaskuläre Versorgungsnetzwerk (NEVAS)

Für die Versorgung von Schlaganfallpatienten mit komplexen Problemen beteiligt sich das Klinikum Fürstenfeldbruck am NEVAS-Netzwerk zur Schlaganfallversorgung in Südwest­bayern. Innerhalb dieses Verbunds sind mehrere Kliniken über eine telemedizinische Verbindung beispielsweise mit dem universitären Zentrum München Großhadern vernetzt. Auf diese Weise ist dem Schlaganfallteam des Klinikums Fürstenfeldbruck rund um die Uhr der schnelle Zugang zur Stroke Unit Großhadern möglich. Dort steht auch eine Neurochirurgie und Neuroradiologie für operative oder kathetergestützte Methoden bereit, um Blutgefäße wieder zu eröffnen oder Hirnblutungen zu behandeln.

Dr. med. Tilman Kolbe

Chefarzt des Fachbereichs
Kardiologie und Pneumologie
Klinikum Fürstenfeldbruck

„Das Team unserer Stroke Unit setzt alles daran, die Folgen eines Schlaganfalls durch schnelle und kompetente Behandlung so gering wie möglich zu halten.“

Thrombolyse: In vielen Fällen bewährter Behandlungsstandard bei akutem Schlaganfall


Ein Schlaganfall entsteht häufig, wenn ein Blutgerinnsel eine Ader verstopft und zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn führt. Wesentlich seltener kann eine Gehirnblutung als Auslöser festgestellt werden. In den ersten Stunden kann in spezialisierten Schlaganfalleinrichtungen durch eine medikamentöse Auflösung des Gerinnsels eine sogenannte Thrombolyse­ durchgeführt werden. Dadurch lässt sich in vielen Fällen die Durchblutung wieder herstellen und das Absterben von Gehirnzellen verhindern oder zumindest abmildern. Bereits beeinträchtigte Funktionen können durch dieses Verfahren zumindest teilweise und im besten Fall komplett wiederhergestellt werden.


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