Patienten-Information

  • Was ist eine chronische Schmerzerkrankung?

    Akute Schmerzen kennen wir alle. Sie treten auf, wenn wir uns verletzten und haben eine sinnvolle bio-logische Funktion. Sie warnen uns, wenn bzw. bevor unser Körper größeren Schaden nimmt und sind mit bestimmten Verhaltensweisen gekoppelt: wir ziehen z.B. automatisch die Hand weg, wenn wir einen heißen Gegenstand berühren oder schonen unseren Arm, wenn er gebrochen ist.

    Akute Schmerzen sind also ein Symptom einer Erkrankung. Entsprechend klingen akute Schmerzen auch wieder ab, wenn die Erkrankung ausheilt.

    Im Gegensatz dazu handelt es sich bei chronischen Schmerzen nicht mehr um ein Symptom. Die Ursache für die Schmerzen ist bereits abgeklungen oder kann u.U. gar nicht mehr erkannt werden. Dennoch leidet der Patient weiter an seinen Beschwerden; die biologische Funktion des akuten Schmerzes als Warn- und Schutzsignal ist verloren gegangen. Der Schmerz ist zu einer eigenständigen Erkrankung geworden.

    Chronische Schmerzen sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die Beschwerden verselbständigt haben und in ein neues Krankheitsbild übergegangen sind (chronische Schmerzerkrankung). Dies hat Einfluss auf das gesamte Leben des Patienten.

    Welche Möglichkeiten zur Therapie chronischer Schmerzen bieten wir an?

    Bei akuten Schmerzerkrankungen steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund: Wenn die Verletzung geheilt ist, die Grunderkrankung behandelt ist, klingen die Schmerzen ab. Akute Schmerzen werden daher primär vom entsprechenden Facharzt diagnostiziert und therapiert.

    Da bei chronischen Schmerzerkrankungen dieses Grundproblem meist nicht mehr besteht oder gar nicht (mehr) erkennbar ist, sind oft andere Therapieansätze nötig:

    • Ambulante spezielle Schmerztherapie (hier in enger Zusammenarbeit mit dem Haus– oder Facharzt als Primärbehandler), ausschließlich auf Überweisung durch den Haus- oder Facharzt
    • Stationäre multimodale Schmerztherapie
  • Was ist eine mulitmodale Schmerztherapie?

    Bei einer multimodalen Schmerztherapie arbeitet ein Team aus Ärzten und Therapeuten eng zusammen. Das Ziel dieses Teams: Die Betroffenen sollen mit chronischen Schmerzen besser zurechtkommen, trotz Schmerzen ihren Alltag wieder aktiver gestalten können und dadurch Lebensqualität und Funktionalität zurückgewinnen. <dir> </dir&

    • Ein wichtiges Prinzip der multimodalen Schmerztherapie ist die individuelle Ausrichtung der Behandlung an den Fähigkeiten und Problemen des jeweiligen Patienten. Dies kann in Einzel- und Gruppentherapieeinheiten erfolgen.
    • Ebenfalls unverzichtbar ist eine präzise Schmerzanalyse.
    • Die Ärzte kümmern sich um die Optimierung der Medikamente. Sie klären über die wichtigsten Medikamente und deren Wirkungsweise sowie ggf. Nebenwirkungen auf.
    • Die Patienten erfahren, wie Schmerzen entstehen und verarbeitet werden. Sie erhalten wichtige Informationen über chronische Schmerzen sowie deren Behandlungsmöglichkeiten und erlernen Strategien für den Umgang mit dem Schmerz und seinen Folgen. Sie sollen dabei das Gefühl, verlieren, „Ihren Schmerzen ausgeliefert zu sein".
    • Neben körperlichen Beeinträchtigungen wirken sich Schmerzen auch oftmals negtiv auf Denken, Verhalten und Stimmung der Betroffenen aus. Es können sich Veränderungen in der Familie, im Freundeskreis und in der beruflichen Situation ergeben. In der psychologischen Therapie lernen Patienten Entspannungsverfahren kennen, mit deren Hilfe sie dem entstandenen „Teufelskreis" zwischen Muskelanspannung, Stress und Schmerz längerfristig entgegenwirken können.
    • Das Erlernen funktionaler Stress- und Schmerzbewältigungsstrategien sowie ein achtsamer Umgang mit sich selbst stellen weitere wesentliche Inhalte der Therapie dar. Dies ermöglicht es, Schmerzempfindungen selbst zu beeinflussen und mit den Beeinträchtigungen besser umgehen zu können.
    • Durch die Bewegungstherapie soll die körperliche Belastbarkeit des Patienten wieder hergestellt werden. Im Vordergrund stehen dabei die Schulung der Köperwahrnehmung, ein an die individuellen Möglichkeiten des Patienten angepasstes Ausdauertraining und die allgemeine Verbesserung der Beweglichkeit.
    • Zur Entlassung wird ein individuell abgestimmtes aktives Eigenübungsprogramm erarbeitet, welches die Patienten zu Hause selbständig fortführen können.