Demenz ist eine der häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter – und sie belastet hierzulande rund 1,8 Millionen Betroffene wie auch ihre Angehörigen oftmals stark.

Wenn das Gedächtnis nachlässt
Vergesslichkeit gehört bis zu einem gewissen Grad zum Älterwerden dazu. Kritisch wird es, wenn Gedächtnisprobleme über das normale Maß hinausgehen. Fachleute sprechen von einer „kognitiven Störung“, etwa wenn Namen oder Termine häufiger vergessen werden, die Konzentration nachlässt oder komplexe Aufgaben schwerer fallen. Solange diese Einschränkungen den Alltag nicht beeinträchtigen, wird die kognitive Störung als leicht eingestuft. Doch bei etwa jedem zehnten Betroffenen entwickelt sich daraus eine Demenz, die einen normalen Alltag nicht mehr erlaubt.

Was ist eine Demenz?
Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die zu einer Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten führen. Darunter fallen derfortschreitende Verlust von Gedächtnis und Denkfähigkeit, Orientierungsstörungen, Minderung des Urteilsvermögens oder Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit. Wenn solche funktionseinschränkenden Symptome über mindestens sechs Monate anhalten, kommt die Diagnose Demenz in Frage. Meist verläuft die Erkrankung schleichend über viele Jahre hinweg. Eine Heilung gibt es bisher nicht – doch der Verlauf lässt sich beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Die Alzheimererkrankung ist die häufigste Demenzursache. Sie wird verursacht durch die Nervenzellen-schädigende Ablagerung eines Eiweißes, das sogenannte ß-Amyloid. Dadurch kommt es zu starken Störungen insbesondere beim Kurzzeitgedächtnis, bei der Orientierung und der Wortfindung sowie dem „Verlernen“ komplexer Tätigkeiten. Die Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von immer wieder auftretenden Durchblutungsstörungen im Gehirn, etwa nach Schlaganfällen. Häufige Symptome sind eine psychomotorische Verlangsamung, Konzentrations- und Antriebsprobleme, Gangunsicherheit oder eine Blasenstörung.

Bedacht werden muss, dass andere Erkrankungen die Symptome einer Demenz simulieren können. So gehen schwere Depressionen, Vitaminmangel oder Entzündungen des Gehirns häufig mit kognitiven Störungen einher, welche sich jedoch nach Behandlung der Grunderkrankung komplett zurückbilden können. Eine umfassende Diagnostik ist daher bei demenziellen Symptomen unverzichtbar.

Wie wird eine Demenz festgestellt und behandelt?
Bei der Diagnostik ergänzen sich mehrere Bausteine:

  • ausführliche Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese)
  • körperliche Untersuchung
  • Gedächtnistests (z. B. Uhrentest, „MoCA“-Test)
  • Blut- und Liquoruntersuchungen
  • bildgebende Verfahren (MRT, PET-CT)
  • Neurologische Untersuchung (Elektroenzephalogramm EEG)

Ziel ist es, die Ursache der Beschwerden möglichst genau zu klären und behandelbare Ursachen zu erkennen. Auch wenn Demenz bisher nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze:

Medikamente, speziell Antidementiva, können Symptome lindern und den Krankheitsverlauf leicht verlangsamen. Seit 2025 gibt es in Deutschland auch Antikörpertherapien, welche bei einer leichten Form der Alzheimererkrankung eingesetzt werden können. Sie greifen direkt in Krankheitsprozesse ein und eliminieren die Amyloid-Ablagerungen. Die Antikörper können jedoch bislang nur unter speziellen Voraussetzungen, etwa keine gleichzeitige starke Blutverdünnung, gegeben werden und erfordern sehr engmaschige klinische und bildgebende Kontrollen der Patienten.

Nicht-medikamentöse Therapien spielen bei der Behandlung eine besonders wichtige Rolle. Dazu gehören Gedächtnistraining, soziale Aktivitäten mit kognitiver Stimulation, Musik- und Gesprächstherapie sowie regelmäßiges körperliches Training.

Demenzprävention: Auf den Einzelnen kommt es an
Die gute Nachricht: Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko, demenziell zu erkranken, deutlich senken. In Studien wird von einer beträchtlichen Risikoreduktion ausgegangen, wenn in den verschiedenen Lebensphasen hinweg bestimmte Faktoren berücksichtigt werden. Über die elementare Bildung im Kindes- und Jugendalter und dem Aufrechterhalten von Sozialkontakten hinaus können in den mittleren Lebensjahren wichtige Weichen gestellt werden.

Die wesentlichen Expertenempfehlungen umfassen:

  • regelmäßige Bewegung (mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche) und Muskelausbau/-erhalt
  • ausreichend Schlaf (7–8 Stunden)
  • Behandlung von Hör- und Sehdefiziten
  • Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin
  • geistige Aktivität und Bildung
  • Behandlung von Depressionen
  • Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum (Nicht mehr als 1 Bier täglich!)

„Bei einer Demenzerkrankung gilt es, frühzeitig Hilfe anzunehmen, um alle Beteiligten zu entlasten!“
Dr. med. Anna Bayer-Karpinska, Chefärztin Neurologie & Stroke Unit

Viele Studien zum Thema Bewegung und Kognition haben eine klare Wirksamkeit gezeigt: Sportliche Aktivität im Alter zwischen 45 und 64 Jahren wie auch im späteren Lebensalter kann das Demenzrisiko um mehr als 40 % senken. Selbst Menschen, die bereits an einer leichten kognitiven Störung leiden, profitieren von regelmäßiger Bewegung: 3.000 Schritte pro Tag verzögern das Fortschreiten zur Alzheimer-Erkrankung um drei Jahre; noch besser sind natürlich noch mehr Schritte. Also: in Bewegung bleiben!

Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Demenz betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch ihr Umfeld. Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen. Eine erste Hilfe kann die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Beantragung finanzieller Hilfen bei den Krankenkassen sein. Seit 2016 werden kognitive Störungen, verbunden mit Einschränkungen Selbstständigkeit, in der Festlegung des Pflegegrades stärker gewichtet als zuvor.

Weiterführende Informationen und Hilfsangebote

  • Beratungsstellen, z. B. Alzheimer- Gesellschaft München, Fachstelle für Demenz und Pflege in Bayern, Alzheimer Telefon: 030/259379514
  • Digitales Demenzregister Bayern: www. digidem-bayern.de
  • Gedächtnissprechstunden  (z.B. Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung)
  • Tagespflege und Kurzzeitpflege
  • Gerontopsychiatrische Dienste
  • Selbsthilfegruppen
  • Ehrenamtliche Unterstützungsdienste

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